Der mögliche Sturm der deutschen Nationalelf bei der EM 2020

Nachdem die Ära Miroslav Klose mit dem Titelgewinn 2014 und als Rekordtorschütze aller Weltmeisterschaften zu Ende ging, fehlt ein Nachfolger des eindeutigen Stammstürmers, der Klose aber gegen Ende seiner Karriere ohnehin nicht mehr war. Mario Götze als falsche 9, Mario Gomez als echte 9, aber fußballerisch limitiert, Kevin Volland in der Spitze – Jogi Löw hat so einiges seitdem ausprobiert. Ganz zufrieden ist er nicht, noch steht auch die Besetzung des Sturms bei der WM 2018 nicht fest. Wie wird es da erst bei der EM 2020 aussehen? Dieser Frage wird in diesem Text nachgegangen.

Ältere Kandidaten aus dem aktuellen Kader: Gomez, Wagner, Stindl

Beim Confed-Cup spielten zwei der drei hier in der Zwischenüberschrift genannten Stürmer aktiv mit, Stindl und Wagner, wobei Stindl anders als Wagner sogar zum Stammspieler und Torschützen avancierte. Jüngst wechselte Wagner zum FC Bayern München. Kommt er dort zu Einsatzzeiten, was prinzipiell als Backup von Robert Lewandowski sicher vorkommt, aber eher selten sein wird, könnte er auch sein Standing in der Nationalmannschaft deutlich verbessern. Zudem wird er dann – wenn er spielt – regelmäßig Champions League spielen. Damit hätte er sowohl Mario Gomez als auch Lars Stindl etwas voraus. Zudem wäre Wagner dann „erst“ 32 Jahre alt – immer noch ein gutes Alter für Stürmer, wie man beispielsweise an Arjen Robben sieht.

Das Alter wäre allerdings sicher ein Problemfaktor für Mario Gomez, der im Sommer 2020 35 Jahre alt würde. Da er ohnehin etwas verletzungsanfällig ist, dürfte seine Zeit bis dahin abgelaufen sein. Beim VfL Wolfsburg zu spielen verbessert sein Standing ohnehin nicht – dorthin wechselt man als fähiger deutscher Nationalspieler eigentlich erst, wenn die Karriere sich dem Ende neigt.

Ganz so alt ist Lars Stindl noch nicht. Er ist ein Jahr jünger als Sandro Wagner, wäre somit erst 31 Jahre alt und noch voll im Saft, sofern er sich nicht schwerer verletzt. Er ist ein Spielertyp, wie Jogi Löw ihn eigentlich sehr mag. Facettenreich, trickreich und mit gutem Raumgefühl so viel unheimlich viel Kreativität. Sein Manko: ein echter Stoßstürmer ist er nicht, zudem wird er mit Borussia Mönchengladbach zu selten international gefordert. Allerdings ist seine Entwicklung in den letzten Jahren bemerkenswert. Verbessert Stindl sich noch weiter, könnte er 2020 im Kader für die Offensive stehen.

Foto: Jann-Fiete Arp/Imago/Michael Schwarz

Die aktuellen jungen Hoffnungen: Werner, Volland

Timo Werner ist der Star der letzten Monate in der Offensive, sowohl in der Bundesliga als auch mit der Nationalmannschaft beim Confed-Cup 2017 in Russland. Auch wenn sein Akku inzwischen leer zu sein scheint und er bei seinem Club Leipzig öfter nur noch auf der Bank zu finden ist: Sein Durchsetzungsvermögen, seine Schnelligkeit und seine Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor machen ihn nicht nur zum Favoriten auf die Rolle im Sturmzentrum bei der WM 2018. Auch bei der EM 2020 ist mit ihm, so er diese Form und Fähigkeiten behält, als Stammspieler zu rechnen. Das wiederum gilt natürlich nur, falls nicht jemand noch Besseres in der Zwischenzeit nachstößt, siehe weiter unten.

Kevin Volland hingegen hat in den letzten Monaten stark an Wert für die Nationalelf verloren. Fraglich, ob er überhaupt noch eine Chance hat, mit nach Russland genommen zu werden. Dann stellte sich die Frage nach seiner Teilnahme an der EM 2020 nur, falls er noch einmal durchstartet und mehr Torgefahr entwickelt, zudem auch international zum Zuge kommt. Aktuell würde man Volland nicht bei der EM 2020 erwarten – zumindest nicht als Spieler.

Wer kommt von unten nach? Arp, Eggestein, Öztunali?

Im aktuellen Kader der U21 sucht man vergeblich nach einem annähernd starken Talent wie es Timo Werner ist. Johannes Eggestein von Werder Bremen muss sich erst noch in der Bundesliga etablieren, gilt zwar als hoch talentiert, aber hier weiß man noch nicht, wohin die Reise gehen wird, was seine Entwicklung angeht.

Anders sieht es diesbezüglich bei Levin Öztunali aus. Er hat bereits 89 Bundesligaspiele auf dem Buckel, erzielte aber lediglich 7 Tore. Dafür durchlief er seit der U15 (!) sämtliche deutsche Jugendnationalmannschaften. Wie die Geschichte zeigt, ist dies aber keine Garantie dafür, es später auch in die A-Nationalmannschaft zu schaffen. Bislang wartet er auf sein Debüt für Jogi Löw – und es könnte gut sein, dass dieses niemals erfolgen wird.

Absoluter Liebling der Fans beim Hamburger SV ist Jann-Fiete Arp, der mit erst 17 Jahren für den HSV in der Bundesliga debütierte und auch bereits 2 Tore erzielte. Mit der U17 nahm er zuletzt an der U17-WM in Indien teil, insgesamt erzielte er bereits 18 Treffer in 19 Spielen für die U17. Trotz aller Hochjubelei bleibt bei diesem jungen Stürmer abzuwarten, ob er sich dauerhaft in der Bundesliga wird durchsetzen können. Junge Spieler mit großartigem Debüt gab es schon viele in der Bundesliga. In der Nationalmannschaft hat man dennoch die wenigsten davon später erleben können. Allerdings sind sich viele Experten einig, dass es im Falle von Jann-Fiete Arp anders laufe wird – sofern er nicht abhebt und weiter an sich arbeitet. Dann wäre es gut möglich, dass er mit erst 20 Jahren schon zum Sturm der Deutschen für die EM 2020 zählen wird.

Und sonst so? Überraschungen und Talente

Die Entwicklung von jungen Spielern verläuft immer rasanter. Vor allem wird das durchschnittliche Alter, in dem sie bereits dauerhaft Erfahrung mit Einsätzen in der Bundesliga machen, immer geringer. Insofern, da zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes noch zweieinhalb Jahren ins Land gehen, bis die EM 2020 beginnen wird, ist es durchaus denkbar, dass sich noch ein Shootingstar, dessen Namen man aktuell noch gar nicht kennt, in höhere Sphären des Fußballs schießen wird. Womit er dann eventuell ebenfalls für den Sturm der Nationalmannschaft infrage käme. Doch dieses Thema muss zwangsläufig ohne konkrete Namen auskommen, schließlich sind derartige Entwicklungen kaum vorherzusehen. Der Hinweis, dass ein solcher Vorgang angesichts der Fülle der Talente, die der deutsche Fußball in den letzten Jahren hervorbringt, nicht wirklich unwahrscheinlich ist, darf beim Nachdenken über den möglichen Sturm der deutschen Nationalmannschaft bei der EM 2020 aber nicht fehlen.

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