Deutschland bei der Handball EM 2018

Die deutsche Handball Nationalmannschaft tritt bei der EM in Kroatien, die an diesem Wochenende beginnt, als Titelverteidiger an, allerdings mit einem neuen Trainer: Christian Prokob ist dieses Mal für die Mannschaft verantwortlich und hat mit seinen ersten Entscheidungen bereits für eine Menge Wirbel gesorgt. So strich er drei Europameister aus dem Kader und nominierte zwei seiner ehemaligen Schützlinge aus Leipzig nach – Vetternwirtschaft? Wir sind der ganzen Sache auf den Grund gegangen, schauen uns den Kader genauer an und ermitteln, welche Chancen der Europameister auf die Titelverteidigung hat.

Diskussion um die Nominierungen

Die deutschen Handballer machen sich mit insgesamt 16 Spielen auf den Weg nach Kroatien, darunter befinden sich acht Europameister von 2016. Nach dem 30:21 aus der Vorbereitung gegen Island strich Prokob gleich drei Europameister aus dem Kader: Finn Lemke, Fabien Wiede und Rune Dahmke müssen die EM vor dem heimischen Fernseher aus mitverfolgen. Auch Marian Michalczik wird nicht mitkommen. „Wir haben uns für 16 Spieler entschieden, nicht gegen vier. Das waren harte Entscheidungen“, so Prokop und er sprach von „sehr guten Möglichkeiten, um auch im Laufe des Turniers reagieren zu können. Die EM ist lang, so dass wir mehrere Optionen brauchen werden. Bei aller Enttäuschung der aktuell nicht nominierten Spieler ist es wichtig, dass der Teamgedanke im Vordergrund bleibt.“ Sechsmal darf der Trainer wechseln, zweimal in der Vorrunde, zweimal in der Hauptrunde und zweimal in den Finalspielen.

Foto: Christian Prokob/Imago/GlobalImagens

Der Kader der deutschen Mannschaft

Neben den Überraschungen, wer alles nicht mit dabei ist, gibt es auch Überraschungen bei den Nominierungen: Kreisläufer Bastian Roschek und Rückraumspieler Maximilian Janke, die beide von Prokobs alten Klub SC DHfK Leipzig kommen, gaben im ersten EM-Test gegen Island erst ihr Debüt und sind am 2. Januar in das EM-Team nachnominiert worden. So sieht der Kader insgesamt aus:

  • Tor: Silvio Heinevetter (Füchse Berlin), Andreas Wolff (THW Kiel)
  • Linksaußen: Uwe Gensheimer (Paris St. Germain HB/FRA)
  • Rückraum links: Maximilian Janke (SC DHfK Leipzig), Julius Kühn (MT Melsungen), Paul Drux (Füchse Berlin)
  • Rückraum Mitte: Steffen Fäth (Füchse Berlin), Philipp Weber (SC DHfK Leipzig)
  • Rückraum rechts: Kai Häfner (TSV Hannover Burgdorf), Steffen Weinhold (THW Kiel)
  • Rechtsaußen: Patrick Groetzki (Rhein-Neckar Löwen), Tobias Reichmann (MT Melsungen)
  • Kreis: Jannik Kohlbacher (HSG Wetzlar), Patrick Wiencek (THW Kiel), Hendrik Pekeler (Rhein-Neckar Löwen), Bastian Roschek (SC DHfK Leipzig)

Außerdem sind im erweiterten 28er-Kader: Johannes Bitter (TVB 1898 Stuttgart), Carsten Lichtlein (VfL Gummersbach), Rune Dahmke (THW Kiel), Marcel Schiller (Frisch Auf Göppingen), Finn Lemke (MT Melsungen), Marian Michalczik (TSV GWD Minden), Niclas Pieczkowski (SC DHfK Leipzig/derzeit verletzt), Tim Kneule (Frisch Auf Göppingen), Fabian Wiede (Füchse Berlin), Franz Semper (SC DHfK Leipzig), Tim Hornke (TBV Lemgo), Erik Schmidt (Füchse Berlin).

Viel Kritik aber auch Lob für den Bundestrainer

Überrascht reagierte die deutsche Fachwelt auf die Kaderplanung des Trainer. Der Coach von Lemke, Melsungens Michael Roth war „nahezu schockiert. So einen Spieler zu Hause zu lassen, ist schwer erklärbar. Auf solche Qualität ohne Not zu verzichten, wirft Fragen auf. Wenn einer das alles mitbringt wie Lemke und keine Verletzung hat, ist es schon fahrlässig. Er hat die Mannschaft sicher überrascht. Aber er wird seine Gründe haben.“ Allerdings stellte sich DHB-Vizepräsident klar auf die Seite des Bundestrainers und sagte bei Sport1: „Christian Prokop hat sich für 16 Spieler entschieden. Aufgrund seiner Erwartungshaltung beim Thema Abwehrspiel ist er der Meinung, dass ihn ein anderer Spieler jetzt weiterbringt. Sollte es nicht so laufen wie gewünscht, kann man immer noch eine Korrektur vornehmen“, so Hanning. Er bewertete die Initiative Prokobs, gegen jede Expertenmeinung zu handeln, positiv: „Es ist legitim, dass einzelne Experten eine Meinung haben – aber wenn wir immer darauf hören würden, würde Handball-Deutschland jetzt nicht da stehen, wo es steht.“ Der Vize wehrte sich außerdem vehement gegen den Vorwurf, durch die Nominierung der Leipziger sei Vetternwirtschaft im Spiel: „Als Dagur Sigurdsson (Ex-Bundestrainer) Drux und Wiede zur Nationalmannschaft geholt hatte, hieß es auch Vetternwirtschaft. Jetzt geht es bei Prokop los. Entscheidend ist immer das Resultat und nicht die Meinung von vermeintlichen Experten“, sagte Hanning. „Bei der Auswahl der Nationalspieler geht es einzig und allein um die beste Leistung“, versicherte Prokop selbst der Mitteldeutschen Zeitung: „Aber meine Handschrift hat man in Leipzig gesehen, und ich erhoffe mir, eine ähnliche Philosophie auch bei der Nationalmannschaft einzubringen.“

So stehen die Chancen für die deutsche Mannschaft

Die deutsche Nationalmannschaft hat mit sechs Siegen aus sechs Spielen eine souveräne EM-Qualifikation gespielt und damit den WM-Schock mit dem Achtelfinal-Aus gegen Katar abschütteln können. Einer der Gegner in der Qualifikation war auch der WM-Dritte von 2017 Slowenien, in der Gruppenphase der EM ist Slowenien gemeinsam mit Deutschland in der Gruppe C. Die anderen Gegner sind Montenegro und Mazedonien, mit dieser Auswahl an Gegenspielern sollte es für die DHB-Auswahl eigentlich kein Problem darstellen, die nächste Runde zu erreichen. Hier die Vorrundenspiele in der Übersicht:

  • Samstag, 13. Januar: D. – Montenegro (17.15 Uhr, ZDF)
  • Montag, 15. Januar: Slowenien – D. (18.15 Uhr, ARD)
  • Mittwoch, 17. Januar: D. – Mazedonien (18.15 Uhr, ARD)

Doch dann könnte es durchaus schwierig werden, denn in der Hauptrunde geht es gegen die drei bestplatzierten Mannschaften der Gruppe D. In dieser spielen Dänemark, Spanien und das als unangenehm eingestufte Ungarn, das von dem ehemaligen Chefcoach der SG Flensburg-Handewitt, Ljubomir Vranjes trainiert wird. Wenn auch das überstanden wird, dann könnte es auch Siege gegen Frankreich oder Kroatien geben – womit die Titelverteidigung bereits so gut wie erledigt wäre. Bis dahin ist es aber ein schwerer und langer Weg.

Die Quoten bei den Buchmachern

Bei den Buchmachern steht Deutschland als Titelverteidiger nicht gerade bei den Top Favoriten. Dies sind Frankreich, Kroatien, Dänemark und Spanien, Deutschland steht meist erst an vierter Stelle. Die Quoten für den Titel sehen daher wie folgt aus:

  • William Hill: 10,00
  • Tipico: 8,00
  • Betfair: 7,50

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