EM 2020: Wäre ein Teilnehmerfeld mit 20 Teams sinnvoller?

Bereits an der Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich nahmen statt der bisher üblichen 16 Teams 24 Teams teil, das bedeutete, dass nicht wie üblich 31, sondern 51 Spiele ausgetragen wurden und die Europameisterschaft eine Woche länger dauerte. Die Europameisterschaft 2020 ist etwas Besonderes, denn es handelt sich um das 60-jährige Jubiläum der Europameisterschaft. Auch an der EM 2020 nehmen 24 Teams teil, daran soll sich auch bei der Europameisterschaft 2024 nichts ändern. In verschiedenen Kreisen wird bereits kritisiert, dass 24 Teams und damit verbunden 51 Spiele zuviel sind und dass der Spielmodus mit nur 20 Mannschaften sinnvoller wäre. Die Spieler sind gestresst, da sie häufiger antreten müssen, auch die Mannschaften dieser Spieler leiden darunter. Spieler müssen für die Teilnahme an der Europameisterschaft freigestellt werden, teilweise müssen infolgedessen Spiele verlegt werden.

Die Aufstockung auf 24 Teams – eine streitbare Entscheidung

Die Entscheidung, die Weltmeisterschaft nicht wie bisher mit 16, sondern mit 24 Teams auszutragen, stammt vom damaligen UEFA-Präsidenten Michel Platini. Inzwischen ist Michel Platini aufgrund einer Sperre von seinem Amt als Präsident zurückgetreten, doch ist nicht damit zu rechnen, dass sich der Spielmodus nun wieder ändern wird. Es war nicht nur bereits bei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich die Entscheidung von Platini, die Meisterschaft mit 24 Mannschaften auszutragen, sondern Platini hatte auch die Idee, die Europameisterschaft 2016 anlässlich des 60-jährigen Jubiläums in 13 europäischen Ländern und 13 Städten auszutragen. Fakt ist, dass die Qualität der Europameisterschaft unter der aufgestockten Teilnehmerzahl leidet. Da die Europameisterschaft in 13 Ländern stattfindet, fehlen die Fans, denn schaffen es beispielsweise die Isländer ins Viertelfinale, das in der Münchner Allianz Arena ausgetragen wird, werden sich nur wenige isländische Fans auf den Weg nach München machen. Genauso wenig werden sich Fans aus Sankt Petersburg den Weg nach Rom ins Olympiastadion machen, wenn die russische Mannschaft dort spielt. Es fehlt einfach das Turnier-Feeling, was eine Europameisterschaft so besonders macht. Die Mannschaften können nicht auf die Unterstützung ihrer Fans hoffen, es mangelt ihnen an Motivation.

Spieler leiden unter hoher Teilnehmerzahl

Die Spieler leiden unter der hohen Zahl von 24 Mannschaften und auch daran, dass die Spiele weit verstreut stattfinden. Sie müssen weite Wege zwischen den Spielen in Kauf nehmen, das wirkt sich auf die Leistung aus. Die Spieler

  • sind aufgrund der weiten Wege gestresst
  • sind nicht genügend ausgeruht
  • haben weniger Zeit, sich mit Training auf die Spiele vorzubereiten

Hinzu kommt, dass sie häufiger antreten müssen und dass sich das auf die Stimmung und die Motivation auswirkt. Nicht zu vergessen ist die Doppelbelastung der Nationalspieler, denn sie spielen in den Vereinen, in denen sie unter Vertrag stehen, und müssen freigestellt werden. Sie können für ihre Vereine nicht bei wichtigen Entscheidungsspielen dabei sein, wo es um den Aufstieg in eine höhere Liga oder um den Klassenerhalt geht, oder die Spiele müssen verlegt werden. Geringer wäre die Belastung, wenn die EM 2020 nur mit 20 Mannschaften stattfinden würde. Die Spiele der Nationalmannschaften und die Tatsache, dass die Europameisterschaft mit 24 Nationen ausgetragen wird, kann sich auch auf Spiele der Europa League und der Champions League auswirken, da die Nationalspieler in den entsprechenden Vereinen verpflichtet sind und ihre Vereine nicht immer genügend unterstützen können.

Hohe Teilnehmerzahl – schnelles Geld für die UEFA

Die UEFA Europameisterschaft 2016 in Frankreich hat gezeigt, dass vor allem die UEFA daran verdient, wenn die Europameisterschaft mit einer höheren Zahl an Teilnehmern und damit verbunden über einen längeren Zeitraum stattfindet. Die UEFA hat an der Europameisterschaft 2016 insgesamt 1,9 Milliarden Euro verdient. Die Entscheidung von Platini, die Europameisterschaft statt nur mit 16 mit 24 Nationen auszutragen, führte zu 20 zusätzlichen Partien, das bedeutete mehr Einnahmen durch Eintrittskarten und durch Übertragungsrechte. Schon allein die weltweite TV-Vermarktung brachte der UEFA ca. eine Milliarde Euro. Die Einnahmen summieren sich und resultieren aus

  • Sponsorship
  • Ticket-Verkauf
  • Werbeeinnahmen

Von diesen Einnahmen und von der längeren Spielzeit hatte Frankreich selbst kaum etwas; lediglich die Kassen der UEFA wurden gefüllt. Die Länder, die Gastgeber für die Europameisterschaft 2020 sind, können zwar kurzfristig von Einnahmen durch ausländische Gäste profitieren, doch ist nicht zu vergessen, dass sie erst einmal investieren müssen, da neue Stadien errichtet oder ausgebaut werden müssen und Verbesserungen an der Infrastruktur erforderlich sind.

Fußball-Zwerge profitieren von höherer Teilnehmerzahl

Während die Ligen in den großen Fußball-Nationen Deutschland, Frankreich, Spanien, Portugal oder England unter der hohen Teilnehmerzahl leiden, da die Spieler für die Spiele der Nationalmannschaft freigestellt und Ligaspiele zum Teil verschoben werden müssen, können Fußball-Zwerge wie

durchaus davon profitieren. Dank der Qualifikationsspiele und der Play-offs haben solche Länder, die sich sonst kaum qualifizieren könnten, die Chance auf eine Teilnahme. Das Selbstbewusstsein der Spieler wird gestärkt, das wirkt sich auf die Leistung aus. Island ist ziemlich weit gekommen, die Chance für die Teilnahme an weiteren internationalen Turnieren ist gestiegen.

Die Qualifikation zur Europameisterschaft 2020

Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2018 beginnt wahrscheinlich im September 2018, da dann die Weltmeisterschaft 2018 zu Ende ist und die Nationalmannschaften nach der Sommerpause erholt sind. Eine automatische Qualifikation der Gastgeberländer gibt es nicht; alle 54 Nationalmannschaften müssen die Qualifikation durchlaufen. Die Qualifikation wird mit der UEFA Nations League gekoppelt, die ebenfalls 2018 beginnt. Die Qualifikation erfolgt mit zehn Gruppen an fünf Doppelspieltagen, sie wird vom März bis zum November 2019 ausgetragen. Die beiden Gruppenersten qualifizieren sich automatisch, also haben sich nach dieser Phase 20 Mannschaften direkt qualifiziert. Aus den Teilnehmern an der UEFA Nations League werden die restlichen vier Teilnehmer für die Europameisterschaft ermittelt. Die UEFA Nations League ist in vier Ligen geteilt, aus jeder Liga spielen vier Mannschaften, die sich noch nicht qualifizieren konnten, um einen Startplatz. Sie müssen im März 2020 in Play-offs aus einem Halbfinale und einem Endspiel antreten.

Aufstockung auf 20 Teilnehmer hätte gereicht

Wenn die Zahl der Teilnehmer schon aufgestockt wurde, wäre es sinnvoll gewesen, sie nicht auf 24, sondern nur auf 20 Teilnehmer aufzustocken. Von der höheren Zahl der Teilnehmer profitiert nur die UEFA selbst, da sie höhere Einnahmen erzielt, sowie Fußball-Zwerge, die sonst kaum eine Chance hätten, sich zu qualifizieren. Für Nationalspieler der großen Fußball-Nationen bedeutet die hohe Zahl der Teilnehmer mehr Stress, denn sie müssen mehr Spiele absolvieren und müssen von ihren Vereinen für die Vorbereitung und die Teilnahme an der EM freigestellt werden. Schließlich leiden auch die Vereine, bei denen die Spieler unter Vertrag stehen, unter der höheren Zahl an Teilnehmern.