Handball EM 2018: Deutschland gegen Spanien – Live im TV, Livestreams & Vorschau

Für die deutsche Handball Nationalmannschaft wird es heute Abend ernst: Es muss unbedingt ein Sieg gegen Spanien her, um das Halbfinale bei der Europameisterschaft in Kroatien zu erreichen. Im Vorfeld gab es durch Tschechien Schützenhilfe, die mit dem Sieg gegen Mazedonien dafür sorgten, dass dieser Schritt überhaupt möglich ist. Die Spanier verpatzten mit einer deutlichen und überraschenden Niederlage gegen Slowenien (26:31) die Generalprobe vor dem Duell mit Deutschland, spielen dennoch um einen Platz in der Runde der letzten vier. Es gibt mehrere Szenarien, unter welchen Voraussetzungen die Mannschaften das Halbfinale erreichen können.

Wer gegen wen und wie: So kommt Deutschland ins Halbfinale

Spanien, Tschechien, Deutschland und Spanien: Alle vier Teams aus der Hauptrundengruppe können theoretisch noch ins Halbfinale einziehen. Deutschland käme als Gruppensieger weiter, wenn gegen Spanien gewonnen wird, Dänemark gegen Mazedonien verliert und Tschechien gegen Slowenien gewinnt. Als Gruppenzweiter wäre das Halbfinale erreicht, wenn Deutschland gegen Spanien gewinnt und Dänemark gegen Mazedonien oder Slowenien gegen Tschechien punktet. Spanien wäre weiter, wenn gegen Deutschland gewonnen wird oder es ein Unentschieden gibt und Tschechien und Slowenien ebenfalls Unentschieden spielen. Tschechien wäre bei einem unentschieden zwischen Deutschland und Spanien bei einem Sieg gegen Slowenien weiter und Slowenien, wenn Deutschland und Spanien sich mit einem Unentschieden trennen und Slowenien gegen Tschechien gewinnt. Klingt kompliziert – aus deutscher und spanischer Sicht ist eigentlich nur wichtig: Bei Sieg, geht es ins Halbfinale.

Spanien: Große Handball Nation

Die Spanier haben beim laufenden Turnier bislang zwei Partien verloren, das Topduell der Vorrunde gegen Dänemark mit 22:25 und eben das Spiel gegen Slowenien mit 26:31. Zum Auftakt der Hauptrunde gab es ein lockeres 31:20 gegen Mazedonien. Die Spanier sind die Mannschaft mit den zwei Gesichtern. Deutschland und Spanien kennen sich bereits sehr gut: Ende Oktober hat es zwei Testspiele zwischen den beiden EM-Finalisten von 2016 gegeben, anlässlich der Feierlichkeiten zu 100 Jahre Handball in Deutschland. In Magdeburg gewann Spanien mit 26:24, einen Tag später gewannen die Bad Boys mit 28:24 in Berlin. So ähnlich lief es auch bei der EM 2016 in Polen. Das erste Vorrundenspiel in Breslau gewann Spanien mit 32:29, doch im Finale in Krakau hatte Torwart Andreas Wolff seinen besten Tag und Deutschland gewann letztlich mit 24:17. Auf den nächsten EM-Titel wartet Spanien bereits seit der ersten EURO 1994. Viermal standen die Iberer bereits im Finale, jedes Mal gab es nur Silber. Zunächst als Gastgeber 1996 gegen Russland, zwei Jahre später in Italien, 2006 in der Schweiz gegen Frankreich und eben 2006 gegen Deutschland. 2000 und 2014 gab es Bronze und 2005 und 2013 konnte Spanien die Weltmeisterschaft gewinnen. Die deutsche Bilanz gegen Spanien ist negativ – zumindest, was die Punkte angeht, denn die Tordifferenz beträgt 1524:1414.

Foto: Spanien Handball/Imago/Agentur 54 Grad

Der Kader der Spanier

Die Spanier verpassten überraschend die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio, mit Jordi Ribera kam ein neuer Trainer. Bei der Weltmeisterschaft 2017 scheiterte er mit der Mannschaft in Frankreich im Viertelfinale gegen Kroatien, jetzt soll endlich der erste EM-Titel her. Für die scheidenden Superstars wie Torwart Arpad Sterbik oder Rechtsaußen Victor Tomas wurde neue, hochtalentierte Spieler eingebaut. Da wäre Dani Dujshebaev zu nennen, der mit Spanien bei der U20-Europameisterschaft den Titel gegen Deutschland holte und 2017 zum ersten U21-WM Titel für Spanien beitrug. Er ist gemeinsam mit seinem älteren Bruder Alex dabei, der 2017 mit Vardar Skopje die Champions League gewinnen konnte und jetzt in Polen bei Kielce spielt. Vorbei die Zeiten, als sich die spanische Nationalmannschaft zum Großteil aus Spielern der Übermannschaft FC Barcelona zusammensetzte: Nur noch fünf der 16 Akteure kommen von der katalanischen Mannschaft: Torwart Gonzalo Perez de Vargas, Abwehrchef Viran Morros, Spaniens EM-Rekordspieler Raul Entrerrios, Linksaußen Valero Rivera und Aitor Arino, der „Staubsauger“ vor der Abwehr. Die restlichen Spieler kommen aus Klubs aus ganz Europa. So ist Torwart Rodrigo Corrales Mannschaftskamerad von Uwe Gensheimer bei Paris Saint-Germain, Joan Canellas, der für Skopje spielt, stand auch in Hamburg und in Kiel in der Halle. Vier Spieler kommen aus Frankreich. Den Superstar, der alles überragt, gibt es bei den Spaniern nicht, was durchaus für die Mannschaft sprechen dürfte.

Paul Drux muss nach Hause, Janke bekommt zweite Chance

Im deutschen Kader hat das Stühlerücken wieder eingesetzt. Doch dieses Mal geht es um eine Verletzung: Paul Drux hat sich im zweiten Hauptrundenspiel das Knie verdreht. Schon nach einer Viertelstunde gegen Dänemark musste der 22-jährige vom Feld, bei der MRT-Untersuchung wurde ein Meniskusriss festgestellt. Für Drux ist die Europameisterschaft damit zu Ende. Am Montag hat er seine Rückreise nach Berlin angetreten und wird noch im Laufe der Woche operiert. „Das ist ein schwerer Schlag für Paul, die Nationalmannschaft und die Füchse Berlin”, sagt Axel Kromer, Vorstand Sport des Deutschen Handballbundes. „Wir wünschen Paul viel Glück für die Operation und eine optimale Genesung.” Als Ersatz hat Bundestrainer Christian Prokop Maximilian Janke nachnominiert. Der Rückraumspieler musste zuvor seinen Platz vor dem zweiten Hauptrundenspiel gegen Dänemark für Linksaußen Rune Dahmke räumen. Nun bekommt der Leipziger also eine zweite Chance.

Markige Worte von Hanning

Der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, Bob Hanning, spart selten mit überschwänglichen Worten, positiv wie negativ. Er meinte, zu den möglichen Chancen der deutschen Mannschaft gegen Spanien: „Wenn wir gegen Spanien gewinnen müssen, um ins Halbfinale zu kommen, dann wird sich die Mannschaft diese Chance nicht entgehen lassen. Da bin ich fest von überzeugt“, sagte Hanning: „Da kann ich Deutschland einen Sieg versprechen.“ Der Bundestrainer indes nahm den Mund weit weniger voll: „Ich halte nichts davon, mit Sprüchen Schlagzeilen zu machen“, sagte der 39-Jährige: „Wir wollen es mit Leistung machen. Wir ruhen uns jetzt aus und dann müssen wir gegen Spanien 100 Prozent bringen.“

Spiel live im ZDF zu sehen

Wer das Spiel heute Abend in vollen Zügen genießen möchte, der sollte ab 20:15 beim ZDF einschalten. Der Sender überträgt die Partie live. Der Reporter wird Christoph Hamm sein, die Moderation übernimmt Yorck Polus. Als Experte steht den beiden Sven-Sören Christophersen zur Seite.