Schafft Österreich die Qualifikation zur EM 2020?

Enttäuschung in Österreich: Es hat nicht geklappt mit der Qualifikation für die Weltmeisterschaft, es wäre die ersten WM-Teilnahme seit 1998 gewesen. Doch trotz des tollen 3:2 Erfolges gegen Serbien war es der Mannschaft nicht vergönnt, richtig zu jubeln. Am Ende wird es beim vierten Tabellenplatz bleiben, der Rückstand auf Irland, derzeit auf Rang drei, beträgt derzeit vier Punkte. Es ist das erste Mal seit 1994, dass Österreich derart schlecht abschneidet bei einem Qualifikationswettbewerb. Denn mit Ausnahme von diesen beiden Ausscheidungen landete Österreich immer unter den Top-3. Sechsmal wurde die Mannschaft Dritter, viermal Zweiter und zweimal Erster. Siebenmal nahm Österreich an Weltmeisterschaften teil.

Ein wichtiger Sieg gegen Serbien – trotzdem keine WM

Aber: Der Sieg gegen Serbien war nicht unwichtig. Es war der erste Erfolg gegen Serbien nach drei Niederlagen, es war außerdem der erste WM-Quali Sieg seit drei Spielen und damit ebenfalls ein wichtiger Erfolg im Hinblick auf die am 24. Januar in Lausanne stattfindende Auslosung für die im Herbst 2018 beginnende Nations League. Wie bei diesem Wettbewerb abgeschnitten wird, ist entscheidend für die EM-Qualifikation 2020. Das Spiel am heutigen Abend gegen Moldau hat auch eine Bedeutung. Trainer Marcel Koller wird sich nach dieser Partie als Nationaltrainer verabschieden und sollte Österreich wie erwartet dieses letzte Qualifikationsspiel gewinnen, wäre er der erste Coach seit Erich Hof, der sich nach einem Sieg aus dem Nationalteam verabschiedet. Hof bot nach einem 1:0 Sieg gegen die Niederlande in der Qualifikation 1984 seinen Rücktritt an, was von dem damaligen ÖFB-Präsidenten überraschend angenommen wurde.

Foto: Imago/GEPA Pictures

Die Chance auf die Europameisterschaft: So funktioniert die Nations League

Insgesamt soll es vier sogenannte Ligen geben. Die Ligen A und B werden aus vier Gruppen á drei Nationalmannschaften bestehen. Die Liga C wird in einer Gruppe mit drei und vier Gruppe zu je vier Tams, die Liga D mit vier Gruppen mit je vier Teams ausgespielt. Aus den Ligen B, C und D wird es mit je vier Gruppensiegern jeweils vier Aufsteiger in die nächsthöhere Liga geben, wobei zeitgleich jeweils vier Nationalmannschaften absteigen. Die Aufteilung auf die einzelnen Ligen wird sich an den Verbandskoeffizienten orientieren. Da Österreich in dieser Tabelle auf Rang 20 liegt, wird die Mannschaft in der Liga B antreten, gemeinsam mit Teams wie Wales, Niederlande, Schweden, Ukraine oder auch Irland und Dänemark. Alle Mannschaften haben die Chance, sich über die Nations League einen Startplatz bei der Europameisterschaft zu erspielen. Insgesamt vier der 24 Startplätze werden über diese Liga ausgespielt. Die 16 Gruppensieger der Nations League werden diese vier Plätze in einem Playoff ausspielen. Doch nicht nur die guten Mannschaften aus der Liga A sind gesetzt, die vier Tickets werden auf alle vier Ligen verteilt. So können auch die schwächsten Mannschaften aus der Liga D einen Startplatz ergattern.

Veränderungen in der Qualifikation

Allerdings wird es so auch Veränderungen im Modus der normalen Qualifikation geben. Anders als zuvor werden nur die Gruppensieger und die Gruppenzweiten an der EM teilnehmen, das Playoff der besten Gruppendritten entfällt somit. Für Österreich ist damit die Chance größer, sich für die EM zu qualifizieren. Denn: Neben der Qualifikation ist die Nations League eine weitere Chance, ein Ticket für die Europameisterschaft zu bekommen.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?

Marcel Koller hatte bereits für die WM-Qualifikation eine große Auswahl an Nachwuchsspielern zur Verfügung. Neben den erfahrenen Stammkräften wie Marc Janko (Sparta Prag), Florian Klein (Austria Wien) oder Guido Burgstaller (FC Schalke 04) waren auch Hannes Wolf (18, RB Salzburg), Maximilian Wöber (19, Ajax Amsterdam) oder Kevin Danso (19, FC Augsburg) mit dabei. Aber: Es sind weniger gute Nachwuchsspieler in Österreich vorhanden, als sich das die Verantwortlichen wünschen würden. Die Nachwuchsarbeit hinkt, wie in vielen europäischen Ländern, auch in Österreich hinterher und damit wird es für das Team sehr schwer, sich in zwei Jahren für die EM 2020 zu qualifizieren. Die Stammkräfte werden älter, die Belastung in den Vereinen hingegen immer größer.

Jugendarbeit in Österreich: So funktioniert sie

Am 10. Oktober wird Peter Schöttel seinen Job als Sportdirektor des ÖFB antreten und damit die Nachfolge von Willi Ruttensteiner übernehmen. Damit ist er für Breiten-, Kinder- und Jugendfußball zuständig. Zu seinen Aufgaben gehört dann die Konzeption in der Ausbildung im ganzen Land. Es werden Modelle entwickelt, die über die Landesverbände zu den Vereinen transportiert werden. Es gibt in Österreich insgesamt 29 Landesausbildungszentren, in denen Spieler zwischen zehn und 14 Jahren auf die zwölf Akademien im Land vorbereitet werden. Außerdem ist Schöttel ab der Amtsübernahme für die Auswahl der Nachwuchs-Teamchefs der U Nationalmannschaften zuständig. Auch wird er die sportlichen Vorgaben erstellen.

Schöttel als Hoffnung auf eine bessere Zukunft?

Die Berufung von Schöttel ist allerdings kein Zeichen dafür, dass jetzt der große Umbruch stattfinden wird. Denn der neue Sportdirektor wurde ausgewählt, ohne ein festes Konzept mitzubringen: „Das war rein zeitlich nicht möglich“, so Schöttel. „Ich habe vor zehn Tagen den Anruf des Präsidenten bekommen, ob ich Interesse am Sportdirektor-Posten habe, falls Ruttensteiner nicht bleibt“, so der Neue am vergangenen Samstag gegenüber Spox.com. Die allgemeine Unruhe, die dem österreichischen Fußballverband anhaftet, ist dadurch allerdings noch lange nicht beendet. Die Machtkämpfe zwischen dem Präsidium und den einzelnen Landesverbänden hält unvermindert an und genau das ist es, was dem Fußball in der Alpenrepublik auf Dauer nur schaden kann. Die Qualifikation für die Euro 2020 hängt nicht nur von den Spielern oder dem Trainer ab, sondern auch davon, wie welche Entscheidungen im Verband getroffen werden.

Neuer Trainer: Viele Namen sind im Spiel

Eine Nachfolge für Marcel Koller steht noch nicht fest. Von den Fans wird natürlich in erster Linie Andreas Herzog genannt, der Rekordnationalspieler der Österreicher. Doch auch die österreichischen Trainer in der Bundesliga, Ralph Hasenhüttl oder Peter Stöger, werden immer wieder genannt. Da Stöger derzeit mit dem 1. FC Köln nicht sonderlich erfolgreich unterwegs ist, könnte er eine realistische Option sein. Aus dem Ausland wären derzeit Matthias Sammer, Lars Lagerbäck oder auch Thomas Tuchel frei – aber wohl nicht bezahlbar. Denn der ÖFB hat sich bereits festgelegt: Der Neue muss billiger sein als Marcel Koller.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.