Verhindert eine kleine Gemeinde den Neubau eines Nationalstadions in Belgien?

Es wirkt für Außenstehende wie der Stoff, aus dem Satire Sendungen im Fernsehen ihre Beiträge machen: Eine kleine Provinz in Belgien stemmt sich mit aller Macht gegen den Neubau eines Fußball Stadions und scheint damit sogar Erfolg zu haben. Die Gemeinde Grimbergen in der Provinz Flämisch-Brabant müsste zustimmen, damit ein neues Nationalstadion in Brüssel entstehen kann. Doch was auf uns wie eine Posse wirkt, ist in Belgien ein sehr ernstes Thema. Denn das eigentliche Problem ist sehr viel größer und weitreichender.

Foto: Imago/Russian Look

UEFA hat sich bereits eingeschaltet

Belgien gilt als politisch sehr zerrüttetes Land. Seit dem 19. Jahrhundert sind Flamen und Wallonen in einem Staat miteinander verbunden, doch die beiden Gruppen mögen sich nicht besonders. Und jetzt gerät der Neubau des Nationalstadions ins Visier dieses Konfliktes. Viel Zeit bleibt nicht mehr, schließlich sollen in eben diesem Stadion, das auf dem Car Park C des Brüsseler EXPO-Geländes entstehen soll, drei Gruppenspiele und ein Achtelfinale bei der EURO 2020 stattfinden. Inzwischen ist auch die UEFA alarmiert, denn es sieht ganz danach aus, als ob es mit der Fertigstellung nicht mehr rechtzeitig klappen wird. Der belgische Fußballverband, der das Projekt grundsätzlich unterstützt, wird aber wohl bald klein beigeben müssen. Mehdi Bayat, Mitglied des Exekutivkomitees, sagte gegenüber der „Derniere Heure“: „Ich bin für ein neues Nationalstadion, aber nicht um jeden Preis.“ Und selbst, wenn in den nächsten Wochen die Streitfrage geklärt werden sollte – Brüssel würde mit noch mehr Problemen zu kämpfen haben. Denn es ist ebenfalls nicht klar, was nach der EURO mit dem Stadion passiert. Ursprünglich wollte der RSC Anderlecht die Spielstätte für Heimspiele nutzen, doch daran hat der Club schon lange kein Interesse mehr, wie er bereit im Februar bekanntgab.

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