Wird Carlo Ancelotti das Risiko eingehen und die italienische Nationalmannschaft übernehmen?

Es hätte so schön werden können, sowohl für die italienischen Fans als auch für den italienischen Fußball ganz allgemein. Die Medien in Italien waren sich ebenfalls einig: Carlo Ancelotti soll der neue Trainer der italienischen Nationalmannschaft werden und das Team neu aufbauen und aus der Krise führen. Die Italiener verpassten zum ersten Mal seit 1958 die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft, eine große Katastrophe für das Land, in dem Fußball als Sportart Nummer eins geführt wird. Doch Carlo Ancelotti hat abgesagt.

Ancelotti sagt unmissverständlich ab

Wie der Berater des ehemaligen Bayern-Coach, Giovanni Branchini, mitteilte, sei Ancelotti derzeit nicht interessiert. „Carlo wird die Nationalelf nicht trainieren. In diesem Moment hat er andere Ziele und Absichten“, sagte Branchini bei Radio Deejay. Dabei galt er bei allen als Wunschkandidat für die Nachfolge von Gian Piero Venturo, der mit der italienischen Mannschaft in den Playoffs für die WM-Qualifikation an Schweden scheiterte. „Ancelotti wird niemandem gegenüber respektlos klingen, doch in diesem Moment ist er an dem Job nicht interessiert“, sagte Branchini. Auch Massimiliano Allegri von Juventus Turin hat abgesagt: „Die Nationalmannschaft zu trainieren, ist eines meiner Ziele. Aber nicht jetzt“, sagte Allegri. Luciano Spalletti von Inter Mailand reagierte ähnlich: „Ich würde gerne die Nationalmannschaft trainieren, aber nicht jetzt. Ich möchte einen guten Job bei Inter machen.“

Foto: Imago/Philippe Ruiz

Verbandspräsident unter Druck

Für den Verbandspräsidenten Carlo Tavecchio alles andere als gute Nachrichten. Der 74-jährige steht massiv in der Kritik und wollte mit einer schnellen Trainerlösung Druck von sich selbst wegnehmen. Er selbst hatte angekündigt, an seinem Posten zu hängen und nicht zurücktreten zu wollen. Während der entsprechenden Sitzung des Präsidiums hatte der Präsident der italienischen Spielervereinigung Damiano Tommasi, den Sitzungssaal aus Protest verlassen: „Mir scheint es, als gäbe es keinen Willen, bei Null anzufangen“, sagte Tommasi laut Nachrichtenagentur Ansa. Er forderte eine Abstimmung über einen neuen Präsidenten.

Ist die italienische Nationalmannschaft derzeit ein zu heißes Eisen?

Vielleicht sind es auch die vielen Unbekannten, die Ancelotti derzeit von dem Job des Nationaltrainers fernhalten. Die Europameisterschaft 2020 rückt allerdings immer näher, und ein Trainer, der die Mannschaft dann trainieren möchte, sollte gerade jetzt frühzeitig mit der Kaderplanung und dem Umbruch beginnen. Oder aber es ist allen infrage kommenden Trainern einfach eine Spur zu heiß. Denn: Wer jetzt eine komplett neue Mannschaft zusammenstellt und dann während der Qualifikation für die Europameisterschaft auf die Nase fällt, der wird mit seiner Trainerkarriere in Italien mit Sicherheit am Ende sein. Noch ist aber nicht aller Tage Abend: Grundsätzlich abgesagt hat keiner der Beteiligten – noch ist die Tür für die EM 2020 nicht ganz zu.

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