Draw No Bet

Draw No Bet

Wettarten

Jedes vierte Spiel in der Bundesliga-Saison 2024/25 endete remis – bei insgesamt 959 Toren in 306 Partien. Über drei Treffer pro Spiel im Schnitt, und trotzdem jedes vierte Mal Punkteteilung. 25 % klingt nach wenig, bis man es auf den eigenen Wettschein überträgt. Wer regelmäßig auf Siege tippt, verliert statistisch bei jedem vierten Spiel nicht wegen einer falschen Einschätzung, sondern weil sich zwei Teams die Punkte teilen. Genau an dieser Stelle setzt Draw No Bet an – eine Wettform, bei der das Unentschieden komplett aus der Gleichung verschwindet. Gewinnt das getippte Team, zahlt die Wette aus. Verliert es, ist der Einsatz weg. Und bei einem Remis? Kommt das Geld zurück.

Klingt simpel. Ist es im Kern auch – aber die Frage, wann sich Draw No Bet tatsächlich lohnt und wann die niedrigeren Quoten den Vorteil auffressen, verdient einen genaueren Blick. Viele Tipper ignorieren DNB komplett oder tun es als reine Sicherheitswette für Anfänger ab. Dabei steckt hinter der Wettform eine Quoten-Mathematik, die in bestimmten Spielkonstellationen erstaunlich gut aufgeht – und in anderen eben nicht. Wer den Unterschied kennt, trifft bessere Entscheidungen.

So funktioniert Draw No Bet

Bei einer klassischen 1X2-Wette gibt es drei mögliche Ausgänge: Heimsieg, Unentschieden, Auswärtssieg. Draw No Bet reduziert das auf zwei – eine 2-Weg-Wette, bei der das Remis neutralisiert wird. Konkret heißt das: Tippt man per DNB auf Team A und das Spiel endet unentschieden, wird die Wette storniert und der komplette Einsatz zurückerstattet. Kein Gewinn, kein Verlust. Als hätte die Wette nie existiert.

Die zwei verbleibenden Szenarien bei dieser 2-Weg-Wette sind klar. Team A gewinnt – die Wette ist gewonnen, die DNB-Quote wird ausgezahlt. Team B gewinnt – der Einsatz ist verloren, genau wie bei jeder anderen Siegwette. Der einzige Unterschied zur 1X2-Wette liegt also im Remis-Fall, und genau dieser Unterschied spiegelt sich in der Quote wider. Weil das Risiko für den Tipper sinkt, sinkt auch die potenzielle Auszahlung. Der Quotenmacher kalkuliert die Wahrscheinlichkeit eines Unentschiedens mit ein und passt den Preis entsprechend an.

Je nach Plattform taucht Draw No Bet unter verschiedenen Bezeichnungen auf: „Unentschieden keine Wette", „Unentschieden Geld zurück" oder „Unentschieden Wette ungültig" – gemeint ist immer dasselbe. Auch die Kurzform DNB hat sich im deutschsprachigen Raum durchgesetzt. Ein Detail, das gelegentlich für Verwirrung sorgt: DNB bezieht sich auf die reguläre Spielzeit. Verlängerung und Elfmeterschießen spielen keine Rolle, weil sie ohnehin nur in K.o.-Spielen vorkommen und dort das Remis nach 90 Minuten den Einsatz zurückbringt.

Wer sich fragt, warum man nicht einfach immer DNB spielt statt 1X2 – die Antwort liegt in den Quoten. Denn die Absicherung gegen das Remis hat ihren Preis, und dieser Preis variiert je nach Spielkonstellation erheblich.

Quoten richtig einordnen: DNB vs. 1X2

Der Quotenunterschied zwischen einer 1X2-Siegwette und Draw No Bet ist keine Kleinigkeit. Je nach Spielkonstellation liegt der Abschlag bei 15 % bis über 40 %. Um das greifbar zu machen, ein fiktives Beispiel: Team A empfängt Team B. Beide stehen in der Tabelle nah beieinander, die Partie gilt als offen.

Wettart

Quote Team A

Quote Team B

Quotenabschlag zu 1X2

1X2 Heimsieg / Auswärtssieg

2,40

3,10

Draw No Bet Heim / Auswärts

1,72

2,15

~28–31 %

Konkretes Rechenbeispiel: 75 € auf den Heimsieg bei Quote 2,40 bringen 180 € zurück. Dieselben 75 € als DNB-Wette bei Quote 1,72 bringen 129 €. Die Differenz: 51 €. Das ist der Preis dafür, dass bei einem Remis die 75 € nicht verloren sind. Ob einem diese Absicherung 51 € wert ist, hängt von der konkreten Partie ab.

Bei Spielen auf Augenhöhe, wo die Remis-Wahrscheinlichkeit bei 28–32 % liegt, fällt der Quotenabschlag am stärksten aus. Je wahrscheinlicher das Remis, desto teurer die Versicherung. Bei klaren Favoriten-Konstellationen – Tabellenführer beim Schlusslicht – liegt die Remis-Wahrscheinlichkeit oft unter 20%. Hier schrumpft der Abschlag auf 12–18 %, und DNB wird im Verhältnis zum reduzierten Risiko deutlich attraktiver.

Wann lohnt sich eine Draw No Bet Wette?

Draw No Bet ist kein Allzweck-Tool. Bei manchen Partien frisst der Quotenabschlag den Sicherheitsvorteil komplett auf, bei anderen ist die Absicherung gegen das Remis jeden Cent wert. Entscheidend sind zwei Faktoren: die Remis-Wahrscheinlichkeit der konkreten Partie und die Höhe des Quotenunterschieds zur 1X2-Alternative. Wer beides im Blick behält, findet die Situationen, in denen DNB seinen vollen Wert entfaltet.

Duelle auf Augenhöhe

In der Bundesliga 2024/25 endeten rund 25 % aller Spiele remis. Aber diese 25 % verteilen sich nicht gleichmäßig. Partien zwischen Teams aus dem Mittelfeld – Platz 6 gegen Platz 10, Platz 8 gegen Platz 12 – enden überdurchschnittlich oft unentschieden. Die Quoten spiegeln das wider: Heimsieg und Auswärtssieg liegen nah beieinander, die Remis-Quote oft unter 3,50.

Genau bei solchen Spielen wird DNB interessant. Ein Beispiel: Augsburg gegen Hoffenheim, Mitte der Tabelle, keine klare Tendenz. Die 1X2-Quoten liegen bei 2,50 / 3,30 / 2,80. Wer hier auf einen Sieg tippt, wettet quasi blind – und das Remis lauert als wahrscheinlichster „Fehlausgang". Die DNB-Quote auf den Heimsieg liegt bei vielleicht 1,80. Nicht überragend, aber mit der Sicherheit, dass bei einem der typischen 1:1- oder 0:0-Ergebnisse der Einsatz zurückkommt. In einer Saison mit 25 % Remis-Quote ist das keine Paranoia, sondern Kalkül.

Die DNB-Quote von 1,80 bei solchen Partien ist attraktiver, als sie auf den ersten Blick wirkt. Bereinigt man die Gewinnwahrscheinlichkeit um den Remis-Fall, rechnet sich die Quote für Tipper, die langfristig denken. Kurzfristig fehlt natürlich der große Kick einer 2,50er-Quote. Aber wer regelmäßig auf enge Bundesliga-Spiele tippt, weiß: Das 0:0 in der 89. Minute ist keine Ausnahme, sondern Alltag.

Außenseiter-Tipps mit Remis-Absicherung

Auf einen Außenseiter zu setzen ist reizvoll wegen der hohen Quoten. Das Problem: Viele Außenseiter verlieren nicht krachend, sondern holen ein Unentschieden. Der Aufsteiger spielt zu Hause gegen den Tabellenführer, verteidigt kompakt, geht vielleicht sogar in Führung – und am Ende steht es 1:1. Für den Tipper, der auf den Heimsieg gesetzt hat, fühlt sich das an wie eine Niederlage, obwohl die Richtung gestimmt hat.

DNB fängt genau dieses Szenario ab. Die Quote auf den Außenseiter bleibt auch als DNB-Variante über 2,00 – oft sogar über 2,50. Der Quotenverlust gegenüber der 1X2-Wette fällt bei Außenseitern prozentual geringer aus als bei Favoriten, weil das Remis in solchen Konstellationen nicht der wahrscheinlichste Ausgang ist. Spielt der Underdog remis, gibt es den Einsatz zurück. Gewinnt er, zahlt die Quote ordentlich aus. Verliert er deutlich, ist der Einsatz weg – aber das wäre bei der 1X2-Wette genauso gewesen.

Wer also einen Außenseiter-Tipp abgeben will, ohne bei jedem 1:1 leer auszugehen, findet in DNB ein passendes Werkzeug. Gerade in den unteren Tabellenregionen, wo Aufsteiger oder abstiegsbedrohte Teams überraschend punkten, liefert DNB auf den Außenseiter oft das bessere Risiko-Ertrags-Verhältnis als die reine 1X2-Wette. Ein verlorener Tipp schmerzt weniger, wenn zumindest beim Remis der Einsatz zurückkommt – und gerade das Remis ist in solchen Partien kein unwahrscheinliches Ergebnis.

DNB, Doppelte Chance oder Asian Handicap 0?

Drei Wettarten, die auf den ersten Blick ähnlich wirken – aber im Detail funktionieren sie unterschiedlich, und die Unterschiede sind nicht kosmetisch.

Draw No Bet wurde bereits erklärt: Sieg zahlt aus, Niederlage verliert, Remis gibt den Einsatz zurück. Doppelte Chance (DC) geht einen Schritt weiter. Bei einer DC-Wette auf „1X" gewinnt man sowohl bei Heimsieg als auch bei Unentschieden. Das Remis ist hier kein neutraler Ausgang, sondern ein Gewinn. Die Sicherheit ist höher, die Quoten entsprechend niedriger – oft liegt DC bei Werten um 1,30 bis 1,50. Für manche Tipper zu wenig, um überhaupt interessant zu sein.

Asian Handicap 0 (AHC 0) funktioniert im Prinzip identisch wie Draw No Bet: Sieg gewinnt, Niederlage verliert, Unentschieden erstattet den Einsatz. Der Unterschied liegt im Markt selbst. AHC 0 gehört zur Asian-Handicap-Familie und wird oft mit leicht besseren Quoten angeboten als DNB, weil die Kalkulation auf einem anderen Modell basiert. In der Praxis reden wir über Quotenunterschiede im Bereich von 0,02 bis 0,08 – nicht viel, aber über hunderte Wetten hinweg summiert sich das.

Merkmal

Draw No Bet

Doppelte Chance (1X/2X)

Asian Handicap 0

Sieg des getippten Teams

Gewinn

Gewinn

Gewinn

Unentschieden

Einsatz zurück

Gewinn (!)

Einsatz zurück

Niederlage

Verlust

Verlust

Verlust

Typische Quote (Favorit)

1,55–1,85

1,25–1,50

1,57–1,90

Risikoniveau

Mittel

Niedrig

Mittel

Die Entscheidung zwischen den drei Varianten hängt vom persönlichen Risikoempfinden ab und davon, welche Quoten man akzeptiert. DC liefert die höchste Sicherheit, aber bei Quoten um 1,35 braucht man eine extrem hohe Trefferrate, damit sich das langfristig rechnet. DNB und AHC 0 bieten einen Mittelweg: weniger Sicherheit als DC, aber deutlich bessere Quoten.

Was viele übersehen: Bei einem knappen Spiel mit Remis-Wahrscheinlichkeit über 30% kann Doppelte Chance tatsächlich die bessere Wahl sein, weil das Remis dann zum Gewinn zählt statt nur den Einsatz zu retten. Bei Partien mit niedriger Remis-Wahrscheinlichkeit – Pokalspiele, klare Favoriten – ist DNB oder AHC 0 sinnvoller, weil man für den unwahrscheinlichen Remis-Fall nicht unnötig Quoten-Abstriche macht.

So viel zur Theorie. In der Praxis lohnt es sich, vor jeder Wette kurz die Quoten nebeneinander zu legen und zu rechnen. Wer das konsequent macht, wird feststellen: Die Unterschiede zwischen DNB und AHC 0 sind marginal, der Sprung zu Doppelter Chance dagegen massiv. Gerade dieser Sprung entscheidet oft darüber, ob eine Wette langfristig profitabel ist oder ob man sich die Sicherheit zu teuer erkauft.

Welche Sportarten eignen sich für DNB?

Fußball dominiert den DNB-Markt – keine andere populäre Sportart produziert annähernd so viele Unentschieden. 25 % in der Bundesliga-Saison 2024/25. In defensiv geprägten Ligen wie der Serie A steigt die Remis-Quote auf etwa 27 % (auch Saison 202/25). Bei Turnieren wie der EM oder WM klettert sie in der Gruppenphase erfahrungsgemäß sogar über 30 % – dort wird DNB besonders relevant.

Eishockey bietet DNB als Nischenmarkt: Etwa 12–15 % der Spiele enden nach 60 Minuten remis, bevor die Overtime greift. DNB bezieht sich hier auf das Ergebnis nach regulärer Spielzeit. Wer stattdessen Moneyline spielt, wettet auf den endgültigen Sieger inklusive Overtime und Shootout – mit entsprechend anderen Quoten. Handball funktioniert ähnlich, die Remis-Häufigkeit ist aber noch geringer.

Je öfter Spiele einer Sportart remis enden, desto wertvoller ist Draw No Bet. Fußball steht dabei mit Abstand an erster Stelle.

Typische Denkfehler bei Draw No Bet

Der häufigste Fehler: DNB pauschal auf jede Partie setzen. Wer das macht, zahlt bei Spielen mit niedriger Remis-Wahrscheinlichkeit unnötig Quotenabschläge für eine Absicherung, die er selten braucht. Ein Tabellenführer beim Schlusslicht gewinnt in der Bundesliga rund 65–70 % seiner Auswärtsspiele. Die Remis-Wahrscheinlichkeit liegt bei vielleicht 18 %. DNB kostet dort trotzdem Quoten-Punkte – für ein Szenario, das in weniger als jeder fünften Partie eintritt. Die 1X2-Siegwette ist in solchen Konstellationen fast immer die bessere Wahl.

Zweiter Fehler: DNB bei extrem niedrigen Quoten spielen. Wenn die DNB-Quote auf den Favoriten bei 1,15 oder 1,20 liegt, braucht man eine Trefferquote von über 83 %, damit sich das langfristig rechnet. Solche Trefferquoten erreicht auf Dauer niemand. Bei diesen Quoten ist der Quotenabschlag prozentual zwar gering, aber der absolute Gewinn pro Wette so klein, dass schon ein einziger Fehlgriff mehrere gewonnene Wetten auffrisst.

Dritter Fehler, und der ist subtiler: DNB als risikofreie Absicherung missverstehen. DNB sichert gegen das Remis ab – nicht gegen die Niederlage. Wer auf ein Team setzt, das verliert, verliert seinen Einsatz genauso wie bei 1X2. Das klingt offensichtlich, wird aber in der Praxis oft vergessen. DNB reduziert die Verlustszenarien von zwei (Remis + Niederlage) auf eins (nur Niederlage). Es eliminiert sie nicht.

Wer DNB gezielt bei Spielen mit hoher Remis-Wahrscheinlichkeit einsetzt und bei klaren Favoriten darauf verzichtet, holt das Maximum aus der Wettform. Alles andere ist Quotenverschwendung.

DNB über 20 Wetten: Was bringt die Absicherung wirklich?

Theorie ist das eine. Was passiert konkret, wenn man 20 identische Wetten einmal als 1X2 und einmal als Draw No Bet platziert? Ein Durchrechnungsbeispiel mit realistischen Annahmen.

Ausgangslage: 20 Wetten auf Spiele mit ausgeglichener Konstellation, jeweils 50 € Einsatz. Durchschnittliche 1X2-Quote: 2,30. Durchschnittliche DNB-Quote: 1,70. Remis-Rate: 25 % (Bundesliga-Schnitt 2024/25). Angenommene Trefferquote bei den Nicht-Remis-Spielen: 50 %.

Von 20 Spielen enden statistisch 5 remis (25 %). Von den verbleibenden 15 Spielen gewinnt man bei 50 % Trefferquote 7,5 – aufgerundet 8 Wetten, 7 verloren.

1X2-Variante

DNB-Variante

8 gewonnene Wetten

8 × 50 € × 2,30 = 920 €

8 × 50 € × 1,70 = 680 €

7 verlorene Wetten

7 × 50 € = −350 €

7 × 50 € = −350 €

5 Remis-Spiele

5 × 50 € = −250 €

5 × 50 € = ±0 € (Einsatz zurück)

Gesamteinsatz

1.000 €

1.000 €

Gesamtertrag

920 € − 350 € − 250 € = +320 €

680 € − 350 € = +330 €

Bei diesen Annahmen liegen beide Varianten fast gleichauf. DNB gewinnt knapp mit 330 € gegenüber 320 € – aber der entscheidende Unterschied liegt nicht im Endergebnis, sondern im Verlauf. Bei der 1X2-Variante waren zwischendurch 600 € verloren (7 Niederlagen + 5 Remis), bei DNB nur 350 €. Die Schwankung ist geringer, das Risiko kalkulierbarer.

Verschiebt man die Remis-Rate auf 30 % – realistisch für Mittelfeld-Duelle – kippt das Bild deutlicher zugunsten von DNB. Dann enden 6 Spiele remis, und der 1X2-Tipper verliert 300 € statt 250 € durch Unentschieden, während der DNB-Tipper diese 300 € komplett zurückbekommt.

Andersherum: Bei nur 15 % Remis-Rate (typisch für klare Favoriten-Spiele) verliert DNB seinen Vorteil, weil die niedrigeren Quoten stärker ins Gewicht fallen als die seltene Einsatz-Rückerstattung. Genau deshalb lohnt sich DNB nicht pauschal, sondern situativ.

Mark Jennes

Über den Autor

Mark Jennes

Mark Jennes ist seit über 10 Jahren in der Welt der Sportwetten und des Online-Glücksspiels zu Hause. Als Autor bei Europameisterschaft.com verfasst er Prognosen, Hintergrundberichte und Analysen zu verschiedensten Sportereignissen. Seine Artikel basieren auf gründlicher Recherche, klaren Fakten und einem tiefen Verständnis der Wettmärkte. Mark erklärt komplexe Zusammenhänge verständlich und legt besonderen Wert auf verantwortungsbewusstes Wetten. Leser profitieren von seiner Expertise, weil sie lernen, Informationen gewinnbringend und zugleich mit Augenmaß zu nutzen.